Der Ausdruck "Blau machen" ist auf die Färberzunft im Mittelalter zurückzuführen. Es bedeutet einfach, dass Wolle, Garn oder fertig gewebter Stoff mit natürlichem tropischen Indigo (oder mit dem meditarranen Waid) blau gefärbt wurde. Indigo ist im Farbbad jedoch zunächst gelblich. Erst an der Luft oxidiert er und ändert seine Farbe nach blau. Die Färber hängten den Stoff nach dem Färben an die frische Luft und liessen den Sauerstoff seine Arbeit tun (ausblauen lassen). In der Zwischenzeit machten die Färber Pause... Da dies üblicherweise montags geschah, sprach man auch vom sogenannten "Blauen Montag".
Die Färber benötigten zum Färben viel Urin, um den Farbstoff zu verküpen, also löslich zu machen. Beim Faulen von Urin bildet sich Ammoniak (NH3), der in seiner wasserlöslichen Form (NH4OH = Salmiakgeist = Ammoniumhydroxid) wegen seiner milden Alkalität sowohl zum Waschen von Rohwolle wie auch als Zusatz zur Wollküpe angewendet wurde. Die Färber gewannen diesen auf ganz einfache Weise: sie tranken viel Bier, da dieses bekanntlich sehr gut "treibt". Man munkelt, dass daher auch der Ausdruck "Blau sein" stammt ...

An dieser Stelle möchte ich Frank Röseler herzlich danken, der mich mit seiner Homepage inspiriert und Klaus Tidow,dem Leiter des Textilmuseums Neumünster, weil er mir die Recherchen in dieser Sache ermöglicht hat.

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